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Die Kreisgrabenanlagen der mittleren

Jungsteinzeit
(Alter: ca. 6800-6500 Jahre)

 

Hier schreibt ein Neandertaler

 

Was ist eine Kreisgrabenanlage?

Kreisgrabenanlagen sind runde monumentale Erdwerke mit einem Durchmesser von 45 - 180 m, die aus ein bis drei konzentrisch angelegten Spitzgräben bestehen. Die heute noch immer 4 - 10 m breiten Gräben besitzen einen dreieckigen Querschnitt und erreichen Tiefen von 3 - 6 m. Durch 1- 6 Eingänge - sogenannte Erdbrücken - gelangte man in den zentralen Innenraum, der durch eine oder mehrere Holzpalisaden aus großen Baumstämmen abgeschirmt war. Die Frage ob dieser mächtige Holzzaun zur Verteidigung oder als Sichtschutz gedient hatte, muss vorerst unbeantwortet bleiben. Oft finden sich Siedlungsspuren im unmittelbaren Bereich der Kreisgrabenanlagen, das durch Palisadenzäune abgeschlossene Innere jedoch, blieb meist ohne nachweisbare Einbauten. Die Ursache dafür kann sowohl die starke Bodenerosion (die durch die landwirtschaftlichen Tätigkeiten noch verstärkt wird), als auch der Umstand sein, dass Bauwerke nur wenig in das Erdreich eingetieft worden sind und somit keine Spuren hinterlassen haben.

Wo kommen Kreisgrabenanlagen vor und warum wurden sie erbaut?
Das Hauptverbreitungsgebiet ist das nordöstliche Niederösterreich, also das Weinviertel, der Manhartsbergraum, das Kamptal, und Südmähren, wo bis jetzt um die 40 derartige Erdwerke bekannt sind. Außerdem gibt es sie auch in Deutschland, Böhmen, der Slowakei und Ungarn, aber in wesentlich geringerer Dichte und Zahl; insgesamt sind nach dem jetzigen Forschungsstand über 80(!) solcher Bauwerke in Mitteleuropa nachgewiesen (siehe Verbreitungskarte). Trotz intensiver Forschungstätigkeit (Luftbildarchäologie, geophysikalische Auswertungsmethoden, archäologische Ausgrabungen) konnte die Wissenschaft bisher Zweck Bauwerke und Funktion dieser monumentalen nicht mit Sicherheit bestimmen. Ihre herausragende Bedeutung innerhalb der mittelneolithischen Siedlungsgemeinschaft ist aber nicht von der Hand zu weisen. Nach bisherigen Überlegungen kristallisieren sich vier Interpretationsschwerpunkte zur Funktion der Kreisgrabenanlagen heraus:

  1. Gesellschaftliche oder soziale Funktion als Versammlungsort: z.B.: Richtplatz, Marktplatz, Festplatz
  2. Defensive Funktion: Fliehburg
  3. Ökonomische Funktion: Viehkral, zum Schutz der Herden vor Raubtieren oder vor Diebstahl
  4. Kultische und astronomische Funktion
Der enorme Arbeitsaufwand zur Errichtung eines derartigen Erdwerkes lässt auch eine Mehrfachnutzung der Anlagen als wahrscheinlich gelten.


Mittelneolithische Kreisgrabenanlagen In Niederösterreichs Gemeinden

In 25 Gemeinden Niederösterreichs sind bisher 37 mittelneolithische Kreisgrabenanlagen nachgewiesen. Davon sind 13 magnetisch prospektiert und 8 teilweise ausgegraben. An einigen Anlagen wurden Sondierangsgrabungen durchgeführt.

Gemeinde Fallbach:

Friebritz 1: einfache Kreisgrabenanlage, Durchmesser: 55 m
Friebritz 2: zweifache Kreisgrabenanlage, 3 Tore, Durchmesser: 117 m / 142 m, teilweise ausgegraben

Gemeinde Eggengburg:

Gauderndorf: dreifache Kreisgrabenanlage, Durchmesser: 55 m / 78 m / 98 m

Gemeinde Grosswetzdorf-Heldenberg

Glaubendorf 1: einfache Kreisgrabenanlage, Durchmesser: 53 m, 2000 magnetisch prospektiert
Glaubendorf 2: dreifache Kreisgrabenanlage, Durchmesser: 72 m / 92 m / 112 m, 1998 magnetisch prospektiert
Oberthern: zweifache Kreisgrabenanlage, Durchmesser: 50 m / 80 m

Gemeinde Gnadendorf

Gnadendorf: zweifache Kreisgrabenanlage, Durchmesser: 51 m / 76 m

Gemeinde Grossrussbach

Grossrussbach?: einfache Kreisgrabenanlage, Durchmesser: 36 m
Karnabrunn: einfache Kreisgrabenanlage, Durchmesser: 51m
Wetzleinsdorf: einfache Kreisgrabenanlage, Durchmesser: ?

Gemeinde Kreutal

Hornsburg 2: zweifache Kreisgrabenanlage, Durchmesser: 65 m / 88 m Homsburg 3: dreifache Kreisgrabenanlage, Durchmesser: 65m / 85 m /105 m; 1989 magnetisch prospektiert

Gemeinde Wullersdorf

Immendorf: dreifache Kreisgrabenanlage, Durchmesser: 55 m / 85 m / 105 m

Gemeinde Gars am Kamp

Kamegg: zweifache Kreisgrabenanlage, Durchmesser: 76 m /144 m, teilweise magnetisch prospektiert, fast vollständig ausgegraben

Gemeinde Harmannsdorf

Kleinrötz: zweifache Kreisgrabenanlage, Durchmesser: 70 m / 104 m, 1997 magnetisch prospektiert

Gemeinde Asparn an der Zaya

Michelstetten: zweifache Kreisgrabenanlage, Durchmesser: 56 m / 83 m, 1995 teilweise magnetisch prospektiert
Schletz: einfache Kreisgrabenanlage, Durchmesser: 50 m, 1995 magnetisch prospektiert und teilweise ausgegraben.

Gemeinde Atzenbrugg

Moosbierbaum: zweifache Kreisgrabenanlage, Durchmesser?

Gemeinde Hohenwarth

Mühlbach am Mannhartsberg: einfache Kreisgrabenanlage, Durchmesser: 46 m

Gemeinde Perchtoldsdorf

Perchtoldsdorf 1: dreifache Kreisgrabenanlage, durch Überbauung zerstört, ausgegraben
Perchtoldsdorf 2: zweifache Kreisgrabenanlage, teilweise ausgegraben

Gemeinde Schönberg am Kamp

Plank am Kamp: zweifache Kreisgrabenanlage, Durchmesser: ?
Stiefern: zweifache Kreisgrabenanlage, Durchmesser: 49 m / 73 m

Gemeinde Göllersdorf

Porrau: zweifache Kreisgrabenanlage, Durchmesser: 64 m / 88 m

Stadtgemeinde St. Polten

Pottenbrunn: durch Schotterabbau zerstört

Gemeinde Sitzendorf an der Schmida

Pranhartsberg 1: zweifache Kreisgrabenanlage, Durchmesser: 54 m / 80 m, 1999 magnetisch prospektiert
Pranhartsberg 2: zweifache Kreisgrabenanlage, Durchmesser: 82 m / 105 m, 1998 magnetisch prospektiert

Stadtgemeinde Hollabrunn

Puch 1: zweifache Kreisgrabenanlage, Durchmesser: 64 m / 86 m, 1995 magnetisch prospektiert
Puch 2 / Kleedorf: einfache Kreigrabenanlage, Durchmesser 100 m, 1995 magnetisch prospektiert

Gemeinde Rosenburg

Rosenburg: einfache Kreisgrabenanlage, Durchmesser: 42 m, 1985 magnetisch prospektiert und teilweise ausgegraben

Gemeinde Ernstbrunn

Simonsfeld: dreifache Kreisgrabenanlage, Durchmesser: 60 m / 90 m /125 m

Gemeinde Grossmugl

Steinabrunn: zweifache Kreisgrabenanlage, Durchmesser: 59 m / 80 m, 1997 magnetisch prospektiert.

Gemeinde Strass im Strassertale

Strass im Strassertale: zweifache Kreisgrabenanlage, Durchmesser: 57 m / 77 m

Gemeinde St. Bernhard

Strögen: zweifache Kreisgrabenanlage, Durchmesser: 50 m / 75 m, 1987 magnetisch prospektiert und teilweise ausgegraben

Gemeinde Götzendorf

Velin: zweifache Kreisgrabenanlage, Durchmesser ?

Gemeinde Poysdorf

Wilhelmsdorf Süd: zweifache Kreisgrabenanlage, Durchmesser: ?, teilweise ausgegraben
Wilhelmsdorf Nord: einfache Kreisgrabenanlage?

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